Petra Reiner, Personalleiterin Schaeffler Gruppe

Die Automobilindustrie sucht händeringend Fach- und Führungskräfte – weil es viel zu tun gibt. Die Schaeffler Gruppe setzt neben intensiver Nachwuchsförderung auch auf Senior-Experten: aus dem eigenen Haus, künftig auch von außerhalb wie Petra Reiner, Personalleiterin, Schaeffler Gruppe erläutert.

Frau Reiner, es wird viel diskutiert über den Fach- und Führungskräftemangel in der Automobil-industrie. Wie beurteilen Sie die Situation?
Der Fach- und Führungskräftemangel ist – nicht nur in der Automobilindustrie – zweifellos brisant, wobei wir die aktuelle Situation jedoch eher in dem enorm gestiegen Bedarf als in einem konkreten Mangel an geeignetem Personal sehen. Die gesamte Automobilindustrie hat die Finanz- und Wirtschaftskrise zum Glück schneller überwunden als zunächst erwartet: Im Wettbewerb mit anderen Arbeitgebern müssen wir kreativ sein.

Einige Unternehmen wie zum Beispiel BMW verabschieden ihre Führungskräfte mit 60 Jahren in den Ruhestand. Ist das noch zeitgemäß?
Als Unternehmen sollte man darauf reagieren können, wenn Mitarbeiter noch nicht in den Ruhestand gehen möchten und das Unternehmen diese, ihre Expertise und ihren Erfah-rungsschatz auch nicht verlieren will.

Bosch hat bereits vor Jahren einen internen „Senior Expert Service“ aufgebaut. Ist das aus Ihrer Sicht ein Konzept mit Zukunft?

Wir haben uns das von Bosch entwickelte und erfolgreich umgesetzte Modell sehr genau angesehen und uns auch ausgetauscht. Aktuell arbeiten wir an einem eigenen Modell, wie wir den Einsatz von Senior-Experten in der Schaeffler Gruppe standortübergreifend organisieren und all unseren Personalabteilungen zur Verfügung stellen.

In welchen Bereichen beziehungsweise für welche Aufgaben werden in der Schaeffler Gruppe heute Senior-Experten eingesetzt?
Wir beschäftigen ehemalige Mitarbeiter beispielsweise als Führer von Besuchergruppen. Aber auch manches Projekt wird von Führungskräften oder Spezialisten über deren Eintritt in den Ruhestand hinaus weiter begleitet, das allerdings auf den jeweiligen Projektzeitraum begrenzt. Das kann zum Beispiel der Aufbau einer neuen Fertigung im Ausland sein, die der Senior-Experte als Know-how-Träger über einige Monate begleitet.

Wird Schaeffler zur Gewinnung von Senior-Experten künftig verstärkt auch auf Unterstützung von außerhalb, zum Beispiel von externen Dienstleistern, zurückgreifen?
Ja, wir wollen den Einsatz von Senior-Experten mittels externen Supports und unter anderem durch einen Dienstleister auf eine breitere Basis stellen. Vorrangig um kurzfristigen Bedarf an Fachwissen und Praxiserfahrung zu decken und um projektbezogen personelle Engpässe zu vermeiden.

Wie gelingt es Schaeffler, die Expertise und die wert-vollen Erfahrungen von Fach- und Führungskräften, die sich unwiderruflich in den Ruhestand verabschieden, zu bewahren?
Seit fünf Jahren ist dies die Aufgabe der Abteilung ‚Wissensmanagement’ bei Schaeffler. Sobald der Austritt eines Fachexperten oder einer langjährigen Führungskraft bekannt wird, beginnt die Arbeit der Kollegen im Wissens-management. Sie fragen das Wissen des Mitarbeiters strukturiert ab, dokumentieren es und stoßen Maßnahmen zum Wissens-transfer an. Zusammen mit dem Nachfolger wird der Übergabeprozess gestaltet und vorbereitet. Dieses Vorgehen, das bis zu einem Jahr in Anspruch nehmen kann, wird im Übrigen gerade von den ausscheidenden Führungskräften und Experten als sehr wertschätzend empfunden.